Niedersachsen-Mitte ehrt aktive Gewerkschaftsarbeit


Weit mehr als 6630 Jahre Treue

:Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ehrte im Herbst langjährige Mitglieder. Rein rechnerisch bringen es die 154 Jubilare des IG BAU-Bezirksverbandes Niedersachsen-Mitte auf exakt 6630 Jahre aktive Gewerkschaftsarbeit.

"Wie jedes stabile Haus braucht auch die Gewerkschaft ein festes Fundament. Das ist die Voraussetzung für ein Gebäude, das auch bei kräftigem Gegenwind noch fest steht. Und dieser stabile Sockel - das sind die Jubilare, die schon seit Jahrzehnten in der IG BAU fest verankert sind", sagt Hinrich Witte.

Für den Bezirksvorsitzenden der IG BAU Niedersachsen-Mitte sind die Geehrten "Urgesteine der Gewerkschaft". Genau die brauche die IG BAU, um "sozialpolitischen Sünden" der Politik Paroli zu bieten. Allen voran: die Altersarmut. "Eine Niedrigrente knapp über der Grundsicherung oder darunter - nur so kommen viele ältere Menschen bei uns überhaupt über die Runden. Und das Risiko für Ältere, künftig mit Armut kämpfen zu müssen, steigt", so Hinrich Witte.

Schuld an einer wachsenden Altersarmut seien insbesondere Dumpinglöhne und die Rentenreformen der vergangenen Jahre. Hier müsse die Bundespolitik dringend ernsthaft handeln. Die von Bundessozialministerin Ursula von der Leyen geplante "Zuschussrente" bezeichnete der IG BAU-Bezirkschef als "sozialpolitische Kosmetik".

Lediglich rund 3.000 Versicherte würden davon anfangs pro Rentnerjahrgang bundesweit überhaupt profitieren. "Das sind zu wenige. Schuld daran sind die enorm hohen Hürden, die die Bundesregierung für die 'Zuschussrente' legt", so Witte.

In den Genuss kämen am Ende nur die, die im Alter weniger als 850 Euro zur Verfügung hätten, bereits 45 Jahre Mitglied der Rentenversicherung seien und 35 Jahre private oder betriebliche Altersvorsorge betrieben hätten. "Damit fallen viele durch das Netz, die aus gesundheitlichen Gründen früh aus dem Erwerbsleben gedrängt werden. Das gibt's besonders oft in der Bauwirtschaft, aber auch in der Land- und Forstwirtschaft. Die Besonderheiten körperlich hart arbeitender Menschen werden im von-der-Leyen-Vorschlag nicht berücksichtigt", sagt Hinrich Witte.

Die IG BAU Niedersachsen-Mitte spricht sich auch für geringere Hürden bei der Erwerbsminderungsrente aus: "Im vergangenen Jahr war jeder vierte Neurentner ein Erwerbsminderungsrentner. Die Betroffenen erhielten gerade einmal 640 Euro pro Monat", sagt Hinrich Witte.

Die Brisanz in der Baubranche sei ungleich höher: "Wenn wir Arbeitnehmer aus Bauberufen nehmen, dann lag die Zahl der Erwerbsminderungsrentner da doppelt so hoch", macht Witte deutlich. Zudem werde längst nicht jeder Antrag auf Erwerbsminderungsrente auch genehmigt. Im vergangenen Jahr sei nur gut die Hälfte der Anträge überhaupt bewilligt worden.

"Was mit dem passiert, dessen Antrag nicht akzeptiert wird, ist klar: Er rutscht noch vor dem Erreichen der Altersrente meist in die Langzeitarbeitslosigkeit ab. Und als Hartz-IV-Empfänger hat er dann keine Chance auf den Erwerb nennenswerter Rentenansprüche mehr", so Witte. Die schwarz-gelbe Koalition habe die Beitragszahlungen für ALG-II-Bezieher nämlich abgeschafft.

"Menschen, die sich kaputtgearbeitet haben, dürfen am Ende nicht auch noch die Dummen sein. Die Regierung muss die viel zu strengen Zugangskriterien endlich entschärfen und gleichzeitig die Höhe der Erwerbsminderungsrente deutlich anheben. Dann wäre auch schon einmal ein wichtiger Schritt gegen die Altersarmut von morgen gemacht", so der IG BAU-Bezirkschef.

Die Jubilare der IG BAU Niedersachsen-Mitte bezeichnet Hinrich Witte als "Garanten für ein soziales Leben".