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Arbeitgeber wollen keine Überstunden-Zuschläge bezahlen
Gebäudereinigerinnen wehren
sich gegen Griff ins Portemonnaie
16.100 Teilzeit-Reinigungskräfte in der Region Hannover
Von der Arbeitszeit bis zu den Urlaubstagen – alles geregelt. Bislang jedenfalls. Jetzt aber
wird der Job für die insgesamt 18.600 Reinigungskräfte in der Region Hannover zur
„Wackelpartie“. Denn die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt. Die
Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU kritisiert das scharf: „Die Reinigungskräfte hängen
damit völlig in der Luft. Die 351 Reinigungsfirmen in der Region Hannover können ihnen
quasi freihändig Urlaubstage streichen und zusätzliche Arbeitszeiten aufs Auge drücken“,
sagt die Bezirksvorsitzende der IG BAU Niedersachsen-Mitte, Stephanie Wlodarski. Die
Kündigung des Manteltarifvertrages sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht aller
Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung arbeiten“.
Die IG BAU nennt die Hintergründe: „Die Arbeitgeber wollen bei den Überstunden Geld
sparen – insbesondere bei Teilzeitkräften. Dahinter steckt also der pure ‚Lohn-Geiz‘“, so
Wlodarski. Denn der bisherige Rahmentarifvertrag sehe bei Mehrarbeit für Vollzeitbeschäftigte
einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns vor. Nachdem das
Bundesarbeitsgericht nun entschieden habe, dass auch Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf
diesen Zuschlag haben, sei die Absicht der Arbeitgeber klar: „Sie wollen bei den
Zuschlägen knapsen. Genau genommen ist das der Griff ins Portemonnaie von
Teilzeitkräften. Es trifft also die Menschen, die ohnehin schon wenig haben und extrem hart
für ihr Geld arbeiten müssen“, sagt Stephanie Wlodarski verärgert.
Überstunden seien in der Gebäudereinigung an der Tagesordnung – und Teilzeitjobs gang
und gäbe: In der Region Hannover arbeiten 16.100 Gebäudereinigerinnen und
Fensterputzer in Teilzeit, 6.050 davon lediglich mit einem Minijob.
Zwischen Gebäudereiniger-Gewerkschaft und Bundesinnungsverband rumort es seit
langem, so die IG BAU Niedersachsen-Mitte. „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten
beharrlich, über bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. – Und das
sogar bei steigenden Jahresumsätzen von bundesweit zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“,
so Stephanie Wlodarski. Nach der Kündigung des Rahmentarifvertrags erwartet die IG BAU
Niedersachsen-Mitte nun „extremen Unmut unter den Beschäftigten – auch in der Region
Hannover“.
Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft pocht beim Bundesinnungsverband schon lange
darauf, konstruktive Gespräche zu führen: „Die Beschäftigten verlangen mehr Anerkennung
für ihre harte Arbeit. Dazu gehört auch, dass Fachkräfte richtig bezahlt, Berufserfahrung
honoriert und die Aufstiegschancen verbessert werden – genauso wie die generelle
Einführung von Weihnachtsgeld“, so Wlodarski.
Außerdem müssten die belohnt werden, die der Gebäudereinigung über Jahre hinweg die
Treue halten. Wer sich durch langjährige Arbeit in der Branche einen Urlaubsanspruch von
30 Tagen erworben habe, der soll ihn auch dann behalten, wenn der Arbeitgeber einmal
wechsele, fordert die IG BAU. Nur so lasse sich die hohe Fluktuation durch das Abwandern
von Fachkräften und damit der Verlust von Branchen-Know-how stoppen.
„Die Arbeitgeber haben dies aber bislang strikt abgelehnt. Sie erkennen nicht, wie wichtig
es ist, die Jobs in der Reinigung deutlich attraktiver zu machen“, sagt Stephanie Wlodarski.
Im Gegenteil: Durch die Kündigung des Rahmentarifvertrags verschlechtere sich die
Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk jetzt erst richtig. „Die Unternehmer riskieren viel.
Sie sägen am eigenen Ast, indem sie faire Rahmenbedingungen für die Arbeit und damit
das Vertrauen und den Teamgeist aufs Spiel setzen“, so die IG BAU-Bezirksvorsitzende.
Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und Innungsverband endet am 31. Juli. „Bis dahin
wird die Wut der Beschäftigten weiter wachsen. Sie werden ihrem Ärger bei betrieblichen
und öffentlichen Aktionen in den nächsten Wochen Luft machen – auch in der Region
Hannover“, kündigt Wlodarski an.